Schlechte Alternativen?

„Was boomt einerseits in der Nachfrage und gerät andererseits immer mal wieder in Verruf?“ So oder so ähnlich könnte in nur einer Frage zusammengefasst werden, was sich aktuell rund um das Thema „Fleischalternativen“ abspielt:

Auf der einen Seite zeigen verschiedene Markterhebungen der letzten Jahre ein stetig steigendes Interesse an pflanzlichen Alternativen zu Produkten tierischen Ursprungs, inzwischen auch verstärkt bei Nichtvegetariern und Nichtveganern. Auf der anderen Seite melden sich neben generellen Befürwortern dieses Trends regelmäßig auch (sehr) kritische Stimmen zu Wort, die den Verzehr von solchen Alternativen für wenig empfehlenswert halten oder sogar vehement davon abraten.

Klare Intention der Käufer, unklare Basis der Kritik

Eine grundlegende Intention vieler Käufer von Alternativen dürfte dabei im Wesentlichen klar sein: Bei all den existierenden, medial omnipräsenten Problemen der Tierproduktion suchen immer mehr Menschen nach möglichst einfachen Mitteln und Wegen, mit der eigenen Ernährung dauerhaft, zeit- oder versuchsweise insbesondere von Fleisch und Fleischprodukten abzukehren.

Doch worauf basiert die ablehnende Haltung der Kritiker? Angeführt wird oft in erster Linie, dass die Alternativprodukte gesundheitlich stark bedenklich seien – „hoch verarbeitete Fertigprodukte voller Zusatzstoffe“ oder auch „pure Chemiekeulen“ sind dabei gern verwendete Begrifflichkeiten, die den Kern der Kritik auf den Punkt bringen sollen. Was dabei allerdings erstaunlich ist: Bislang existierten insgesamt nur sehr wenige eingängige Untersuchungen pflanzlicher Alternativprodukte, die zudem bezüglich der Zusammensetzung und des tatsächlichen Gesundheitswerts der untersuchten Produkte meist nur bedingt aussagekräftig sind.

Neue Studie bewertet umfassend und differenziert

Weit aussagekräftigere Ergebnisse zur Thematik liegen erst seit Beginn dieser Woche mit einer neuen Studie vor, die von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt in Auftrag gegeben und am vergangenen Montag veröffentlicht wurde. Die Studie nimmt die bislang wohl umfassendste ernährungsphysiologische Bewertung speziell von Fleisch- und Wurstalternativen vor: Untersucht wurden 80 vegane und vegetarische Fleischalternativen aus ökologischem und konventionellem Anbau u. a. hinsichtlich ihrer Hauptproteinquellen, ihrer Energie-, Fett-, Zucker- und Salzgehalte sowie der Verwendung  von Zusatzstoffen und Aromen – und das auch in einem sinnvollen Vergleich zu entsprechenden fleischhaltigen Produkten.

Als Fazit ihrer Untersuchung betonen die Studienautoren u. a., dass die „pauschale Behauptung“, Fleischalternativen enthielten „ellenlange Listen“ an Zusatzstoffen, nicht haltbar sei. Zudem werden die Alternativprodukte abschließend zusammenfassend als „eine ernährungsphysiologisch günstige Alternative zu Fleisch- und Wursterzeugnissen“ bewertet. Es werden zwar auch kritische Punkte benannt (etwa zu hohe Salzgehalte), die allerdings nicht ausschließlich auf die Alternativen, sondern auch auf fleischhaltige Produkte zutreffen.

Was bedeuten die Studienergebnisse für die Kritiker?

Für bisherige Pauschalkritiken, die den Eindruck von grundsätzlich ungesunden Alternativprodukten wecken, deren Verzehr ebenso grundsätzlich zu Gesundheitsproblemen führe oder führen könnte, dürfte es mit den neuen Ergebnissen keinen Diskussionsraum mehr geben. Zwar ist zu vermuten, dass manch ein Kritiker auch weiterhin Fleischalternativen monieren wird, doch sollte dabei nicht übersehen werden, dass die jetzigen Resultate nicht als der Weisheit letzter Schluss präsentiert werden, stattdessen regt die Studie selbst noch weitere Untersuchungen an (etwa zu in Alternativen enthaltenen Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen).

Was sich aber selbst harte Kritiker definitiv vor Augen führen sollten: Stichhaltige und belegbare Aussagen zu pflanzlichen Alternativprodukten können, wie bei anderen Themen auch, nur dann gemacht werden, wenn überhaupt umfassendere und differenziertere Analysen existieren. Über die Gründe, weshalb dennoch bislang immer wieder pauschale Behauptungen über vermeintlich grundsätzlich schlechte Alternativen zu Tierprodukten aufgekommen sind, könnte an dieser Stelle nur spekuliert werden – wahrscheinlich ist aber, dass gerade harte Kritiker wohl oftmals treffender als in ihren eigenen Dogmen verhärtete Kritiker bezeichnet werden können. Diese These zu untersuchen, behalte ich mir nun aber für spätere Artikel vor …

Eine Zusammenfassung der aktuellen Studie zu Fleischalternativen findet sich mit Downloadlink hier.

Ein Gedanke zu „Schlechte Alternativen?

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