Tierschutz vs. Menschenschutz? Ein Leserbrief an die ZEIT

In der vergangenen Woche erschien in der Printausgabe der ZEIT ein Artikel, der mich tagelang nicht losgelassen hat. Unter dem Titel „Das Ende der Verwöhntheit“ (ZEIT NR. 51, S. 3) versucht Elisabeth Raether, die Autorin des Artikels, aufzuzeigen, „warum wir uns eher über Tierquälerei als über Menschenquälerei aufregen und warum das nicht mehr geht, seit die Flüchtlinge unter uns sind.“ Da mir ihre Ausführungen letztlich deutlich fehlzulaufen scheinen, schrieb ich vor zwei Tagen einen kurzen Leserbrief an die ZEIT.

Kernaussage des ZEIT-Artikels:

Die Kernaussagen des ZEIT-Artikels lassen sich relativ schnell zusammenfassen:

Seit einigen Jahren würden wir verwöhnten Wohlstandsdeutschen uns kaum noch mit moralischen Fragen beschäftigen. Und wenn doch, dann nur mit eher unwesentlichen, auf den Konsum bezogenen Fragen: „[…] moralische Fragen erschienen uns bislang nicht gerade dringend. Wir haben sie eher nebenbei abgehandelt, beim Einkauf im Supermarkt.“ Unseren Alltag würden wir laufend „mit sittlichem Drama“ aufladen und „Existenzielles wie, sagen wir, eine gerechte Weltordnung“ vernachlässigen. Vor allem in der Verdrängung politischer Fragen hätte „die Konsummoral gut gedeihen“ und „die Idee entstehen“ können, „dass Milchkühe, die leiden, uns näherstehen als Menschen, die leiden.“

Die „Verwöhntheit“ hätte, der Autorin zufolge, jedoch nun ein Ende: Mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge in unserem Land entstünde die Notwendigkeit, sich nicht mehr vornehmlich über „das Leid, das Hühnerküken angetan wird“, zu empören. Stattdessen gälte es in erster Linie, sich eingehend mit den flüchtenden Menschen und ihren Schicksalen zu beschäftigen und dabei einen „politischen Willen“ zu aktivieren, der „in die Gestaltung des Miteinanders fließen“ solle. Ihren Artikel beendend schreibt die Autorin schließlich noch: „Es gibt eine neue Erkenntnis: Die Antwort auf die drängenden Fragen dieser Zeit lautet nicht Weidemilch.“

Tierschutz vs. Menschenschutz?

Den grundsätzlichen Appell, der aus dem ZEIT-Artikel hervorgeht, teile ich uneingeschränkt: Definitiv dürfen wir uns hinsichtlich der aktuellen Flüchtlingsthematik nicht einfach abwartend zurücklehnen oder gar ablehnend verhalten. Offen und interessiert auf die ankommenden Menschen zuzugehen, ihnen zu helfen und am gemeinsamen Miteinander zu arbeiten, ist ein Gebot, dem sich niemand einfach entziehen sollte.

Was ich allerdings nicht mit der Autorin teile ist ihr Versuch, die Herausforderungen der Flüchtlingsthematik gegen die in den vergangenen Jahren erfreulicherweise gestiegenen Tierschutzbemühungen auszuspielen:

Ich teile dies zum einen deshalb nicht, weil es schlicht unmöglich ist oder wäre, eine Prioritätenliste der ethisch relevanten Themen unserer Zeit zu erstellen und sie dann fein säuberlich von oben nach unten abzuarbeiten. Mit einem solchen Ansatz bliebe nur zu befürchten, dass sich letztlich gar nichts regt, weil wir uns jahrelang allein schon darüber streiten würden, welches Problem denn nun genau oberste Priorität hätte. Weitaus besser erscheint es mir, dass jeder Mensch möglichst dort mit anpackt, wo er gerade kann und will, und dabei stets offen dafür bleibt, auch noch weitere Probleme mit anzugehen.

Zum anderen teile ich den Versuch, den ethisch relevanten Bereich des Menschenschutzes gegen den ebenso relevanten Bereich des Tierschutzes auszuspielen, auch deshalb nicht, weil gerade in diesem speziellen Fall doch klar aufgezeigt werden kann, wie sehr die Probleme beider Bereiche miteinander verknüpft sind.

Mein Leserbrief an die ZEIT:

„Elisabeth Raethers Einschätzung dessen, was als wirklich relevante Moralfragen gelten und „echte“ moralische Bedenken hervorrufen sollte, läuft fehl. So ist die von der Autorin als „übermoralisiert“ gebrandmarkte Konsumfrage sicherlich alles andere als bloß ein unpolitisches „sittliches Drama“ des Alltags, gespielt von bequemen Wohlstanddeutschen. Evident wird dies gerade mit Blick auf den von Frau Raether angesprochenen und in seiner Destruktivität scheinbar deutlich unterschätzten Bereich der Tierproduktion:

Schon jetzt trägt der weit zu hohe globale Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten zur Verknappung lebenswichtiger Ressourcen wie Land, Wasser und Energie sowie zum Klimawandel bei. Das wiederum verschärft die Hungersituation in ärmeren Ländern und leistet seinen eigenen Beitrag zur Fluchtthematik. Damit ist das hiesige Konsumverhalten – gegen das sich eine jährlich steigende Zahl von Menschen mittlerweile sehr wohl auch politisch auflehnt – nachweislich mit hoch existenziellen Fragen verknüpft. Und das nicht nur für Menschen: Die massenhafte Billigproduktion von Fleisch, Milch und Eiern kann letztlich nur durch weit inakzeptable Bedingungen bei der Züchtung, Haltung und Tötung von empfindungsfähigen Lebewesen gewährleistet werden. Für rund 60 Mrd. „Nutztiere“ vom Land, die alljährlich für den menschlichen Konsum weltweit getötet werden, stellen diese Bedingungen alles andere als eine Bagatelle dar.

Menschenleid und Tierleid sind über den Bereich der Produktion und des Konsums von Nahrungsmitteln aufs engste miteinander verknüpft. Dem einen mehr Gewichtung beizumessen als dem anderen – was schon generell nicht zu rechtfertigen wäre -, heißt Realitäten zu verkennen. Oder aber bewusst zu verdrängen? Vielleicht ja, um aus dem eigenen „Kokon“, in dem Frau Raether die verwöhnten, auf Konsummoral beschränkten Wohlstandsdeutschen eingesponnen sieht, letztlich doch nicht zu weit ausbrechen zu müssen?“

Ob mein Brief in einer der nächsten ZEIT-Ausgaben abgedruckt werden wird, bleibt abzuwarten …

Nachtrag 30.12.2015: Der Brief erschien heute – in gekürzter Fassung – in der ZEIT-Ausgabe Nr. 53 auf Seite 16.

34 Gedanken zu „Tierschutz vs. Menschenschutz? Ein Leserbrief an die ZEIT

    1. Clarissa van Amseln

      Nur wer hierarchisch denkt, kann überhaupt auf die Idee kommen, sich über andere Wesen, seinen es Menschen oder Tiere zu stellen. Mir persönlich geht jegliche Hierarchie völlig gegen den Strich, ich möchte den Wesen um mich herum auf Augenhöhe begegnen, das ist die einzige Höhe, auf der soetwas wie Liebe/Nächstenliebe möglich ist, ohne den Beigeschmack von Erpressung durch Macht oder Unterwerfung durch Ohnmacht. Es ist Unsinn in einem so komplexen Geflecht, wie es unsere Welt darstellt, eine Prioritätenliste erstellen zu wollen in der Tiere nun „aus moralischen Gründen“ wieder weit die Rangliste hinuntergestoßen werden sollen, kaum dass sie im öffentlichen Bewußtsein möglicherweise eine Stufe höher geklettert sind. Die Probleme existieren gleichzeitig und so müssen Lösungen auch gleichzeitig erarbeitet werden – die Tierrechte nun wegen der Flüchtlingsprobleme über Bord kippen zu wollen entbehrt jeder Vernunft und wirkt auf mich wie ein billiger Vorwand um wieder einen Freibrief für barbarisches, rein ausbeuterisches Nutzdenken der „Herrenrasse Mensch“ über die „Ware Tier“ zu erlangen. Mitgefühl ist eine elementare Eigenschaft, die bei Menschen anscheinend unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand, dem die rohe Gewalt und Misshandlung unserer Tiere völlig egal ist, gleichzeitig vor Mitgefühl für leidende Mitmenschen überquillt, sofern es nicht gerade ein eigenes Familienmitglied ist und damit noch in den biologischen Instinktreflex der Erhaltung der eigenen Genlinie fällt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Menschen, die sensibel genug sind, jegliches Leid vermeiden zu wollen (soweit es ihnen möglich ist), sich ebenso wie für Tiere, auch für Menschen in Not stark machen. Danke Herr Konstantinos für ihren engagierten Leserbrief! Solche Zeitungsartikel dürfen nicht unwidersprochen bleiben…

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  1. einsiedler

    ist sie nicht schizophren, die beziehung der menschen zu den tieren? zu bestimmten tieren, vor allem katzen, hunde und pferde, entwickeln wir ein sehr inniges verhältnis. sie werden gehegt und gepflegt und sind die besten freunde. die so genannten “nutztiere” dagegen werden gequält und ausgebeutet. wir verdrängen erfolgreich die tatsache, dass fleisch, milch, daunen oder pelz von einem tier mit charakter und eigenen bedürfnissen stammen. die politisch verantwortlichen billigen das sinnlose leid der tiere für wirtschaftlichen profit.

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    1. Konstantinos Tsilimekis Autor

      Besten Dank für den Kommentar!

      Es bleibt eine der wesentlichen Aufgaben für den Tierschutz und das Tierrecht, die bislang vorherrschende Legitimität der „Nutztier“-Nutzung immer wieder einsichtig infrage zu stellen. Die größte Herausforderung: das ambivalente Verhältnis verschiedenen Tieren gegenüber auch im kulturellen Handlungsalltag aller Gesellschaftsakteure nach und nach aufzulösen …

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  2. Friederike

    Supergut! Ich hatte den ZEIT-Artikel gar nicht mitgekriegt. Schon nervig und daneben – gleichzeitig aber auch ein Zeichen, dass wir uns noch mehr Mühe geben sollten, die Frage der Gerechtigkeit für Tiere als politisches Thema, nicht nur als Konsumthema bekannt zu machen!

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  3. Carin Folkerts

    Danke für den Leserbrief! Die unbeschreiblichen Grausamkeiten, die an wehrlosen Tieren für verwöhnte Konsumenten begangen werden, dürfen niemals gegen das Leid von Menschen ausgespielt werden. Schließlich liegt in dieser abscheulicher Brutalität die Wurzel des Übels. Im Umgang mit dem Tier haben die Menschen gelernt, für eine Verbesserung ihrer Lebensumstände im Wortsinne über Leichen zu gehen. Ich weiß nicht, ob die Leute, die wütend gegen einen Veggieday auf freiwilliger Basis protestiert haben und die, die in unerträglicher Weise gegen geflüchtete Menschen hetzen, dieselben sind. Aber ihnen ist gemeinsam, dass sie um ihren gewohnten Komfort fürchten. Außerdem: Frau Raether hat wohl nicht mitgekriegt, dass sich viele Tierrechtler mit unvorstellbarem Einsatz für geflüchtete Menschen engagieren. Da ist z.B. die Gruppe Mastanlagen Widerstand, die an den Brennpunkten in Ungarn, Serien und aktuell Lesbos veganes Essen bereitstellt oder die Tier- und Menschenrechtlerin Hilal Sezgin, die zusammen mit anderen Geflüchtete im Bahnhof Uelzen betreut. Frau Raether wäre gut beraten, wenn sie diese Menachen nach ihrer Motivation befragen würde.

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  4. Kristina Meurer

    Danke für Dein Engagement.

    „Liebe Deinen Nächsten.“ Egal wer das ist. Ein Mensch, ein Hase, eine Blume… So ein einfacher Satz… Christ bin ich nicht. Diese Aussage finden wir in allen alten Weltreligionen vor deren Fehlinterpretierungen. Tiefe Ehrfurcht vor und Liebe für die Natur, deren Teil wir sind, ist der einzige Weg. Und welch ein Glück, dass es mir in Deutschland so gut geht, dass ich mich um das Wohl Anderer sorgen kann. Es ist meine Pflicht mein Handeln täglich darauf zu überprüfen, ob ich Anderen Schaden zufüge, schon allein als Dank dafür, dass es mir so gut geht. Das ist schwer, wirklich schwer und ich bin ziemlich gut darin, Fehler zu machen. 😉

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  5. Gaby Klein

    Ein großartiger Leserbrief. DANKE! Beiträge wie diese können gar nicht oft genug in der ZEIT (Welt, Spiegel etc.) erscheinen.
    Dem ist nichts hinzuzufügen. Bei allem Anthropozentrismus gab bereits Kant zu bedenken, dass Grausamkeit gegenüber Tieren auch den Umgang mit anderen Menschen negativ beinflusst…. Und genau das ist es, was in den Ställen, Tiertransporten, Schlachthäusern und vielen anderen Orten dieser Welt passiert – Grausamkeit gegenüber Tieren. Diese gegen die genauso unerträgliche, weltweite Grausamkeit von Menschen gegenüber anderen Menschen abzuwägen entbehrt jeder Logik.
    Schwer nachvollziehbar, was Frau Raethers zu diesem Gedankengang motiviert hat. Der Versuch, die Grausamkeit gegenüber Tieren zu relativieren und damit die überzeugten Carnivoren zu legitimieren mußte dringend beantwortet werden!

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  6. Stefanie Ertz

    Auch ich möchte mich sehr für den Leserbrief bedanken, wenn auch etwas verspätet. Das Argument der Zeit-Autorin kennen wohl (leider) die meisten aus eigenen Diskussionen. Egal, wie es jeweils motiviert sein mag, ist es in der Tat einfach nur zynisch. Carin Folkerts Bemerkungen würde ich sogar noch etwas zuspitzen, denn der Tier-Mensch-Gewaltzusammenhang hat wohl immer sowohl eine vermittelte wie eine unmittelbare Seite gehabt. So gehört ganz sicher nicht nur in der US-Armee (hier ist es nur durch verdeckte Videoaufnahmen öffentlich geworden) zu den Mitteln, mit denen Soldaten Tötungshemmungen abtrainiert werden sollen, eine Art von Traumatisierungstraining an lebenden und unbetäubten Tieren, an denen Verstümmelungen bis zu Lebendamputationen durchgeführt werden. Auch hier wird das „über Leichen gehen“ ganz im Wortsinne praktiziert, wenn wohl auch kaum jemand die Illusion haben wird, dass dies dem Fortschritt dient. Es dient einfach nur dazu, dann mit weniger Skrupeln auch menschliche Leichen zu produzieren.
    Dass umgekehrt das Töten als Beruf Menschen nicht nur traumatisiert, sondern geradewegs zu Psychopathen werden lässt, ist aus Kriegsberichten ebenso zu erfahren wie aus Interviews mit Schlachthofarbeitern. Ist es zynisch zu sagen, dass immerhin die Tatsache, dass das Töten Menschen zu Psychopathen werden lässt, etwas Grund zur Hoffnung auf eine andere gesellschaftliche Entwicklung gibt?

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  7. Heiko Schildt

    Ich zitiere aus dem Wikipedia-Eintrag über Robert Spaemann:

    Nicht unser eigenes Interesse, so Spaemann, sondern unsere Selbstachtung ist es, die es uns gebietet, das Leben von Tieren artgemäß und ohne die Zufügung schweren Leidens geschehen zu lassen, da diese ihr Leiden nicht in die höhere Identität eines bewussten Lebenszusammenhangs integrieren und so bewältigen können. „Sie sind sozusagen im Schmerz nur Schmerz.“ Für Spaemann liegt der wesentliche Grund, einem Wesen keinen Schmerz zuzufügen, nicht darin, dass es ein vernünftiges, sondern darin, dass es ein schmerzempfindendes Wesen ist. Den oft vorgebrachten Einwand, dass es in der Welt so viel bestialisches Unrecht an Menschen, Hunger, Folterungen, Entwürdigungen gibt und wir deshalb Wichtigeres zu tun haben, als uns der Tiere anzunehmen, ließ er nicht gelten: „Zweitwichtigstes so lange zu unterlassen, bis alles Wichtigste sich erledigt hat, wäre das Ende aller Kultur.“

    Auch der große Menschenfreund Albert Schweitzer („Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“) und Magnus Schwantje, grandioser Meister im klaren, logischen Auf-den-Punkt-Bringen moralischer Fragen, haben im Gegensatz zu Frau Raether diese Zusammenhänge erkannt: Letzterer sagte, dass der Tierschutz die heiligste Bewegung überhaupt ist, weil er uns ermahnt, „dem Teufel den kleinen Finger zu geben“. Wer über den etwas göttlich-pathetischen Ton hinwegsieht, erkennt die ungeheure Tiefe dieser Aussage, zumal sich Schwantje von jeder Religion distanziert hat.

    Einen weiteren Menschen- und Tierfreund möchte ich erwähnen: Edgar Kupfer-Koberwitz ist im Konzentrationslager Dachau dem Tod entronnen und hat neben seinen berühmten „Dachauer Tagebüchern“ auch ein wundervolles Buch über Tiere verfasst („Unsere Tierbrüder“), weil er im KZ in aller Deutlichkeit erkannt hat: „Solange es noch Tiere in Käfigen gibt, solange wird es auch noch Gefängnisse geben – denn das Einsperren will geübt und gelernt sein, im Kleinen, innerlich wie äußerlich. Solange es noch Tier-Sklaven gibt, solange wird es noch Menschen-Sklaven geben – denn das Sklavenhalten will gelernt und geübt sein, im Kleinen, innerlich wie äußerlich.“

    Und so könnte man noch viele großartige, hochintelligente Persönlichkeiten zitieren, wie z. B. Milan Kundera: „Die wahre moralische Prüfung der Menschheit, die elementarste Prüfung äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen.“

    Wir können aber auch noch weiter zurückgehen zu den griechischen Philosophen wie z. B. Pythagoras, der all das schon 500 Jahre vor Christus erkannt und prophezeit hatte:
    „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück.“

    Wir sehen, dass die Äußerungen von Frau Raether sehr kurzsichtig sind und es ihr, so möchte ich es mal ausdrücken, an Wissen und Weisheit mangelt. Aber das ist leider auch stellvertretend für viele, viele Menschen in der heutigen Zeit, auch solche mit großem Einfluss auf die Geschicke der Menschen.

    Und um das zu unterstreichen, zuletzt noch eine besonders tiefgründige Erkenntnis:

    „Ein Kind zu lehren, nicht auf eine Raupe zu treten, ist ebenso wichtig für das Kind wie für die Raupe.“
    (Bradley Miller)

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  8. Margareth

    Ich danke allen wie auch Ihnen, die ihre Stimme für die Tiere erklingen lassen: diese können sich ja nicht wehren – ausgeliefert wie sie sind! Sie haben völlig Recht mit Ihrem Leserbrief an die Zeit und ich finde, ein moralisch denkender Mensch schliesst weder das eine, noch das andere aus: weder Tier-, noch Menschenschutz! 👍

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  9. Christel

    Ich finde es ganz toll, dass es Menschen gibt, die sich gegen diese scheinheilige Welt der Menschenfreunde auflehnt. Gott hat die ganze Welt erschaffen, das heißt auch Tiere gehören dazu und nicht nur dieser „arrogante Mensch“! Mir sind Menschen, die Tiere nicht mögen, egal
    ob Hund oder Katze oder Rind, sowieso suspekt. Was mich vor allem stört, ist dieses permanente Hetzen gegen Veganer oder Vegetarierer, ohne dass diese jemals für ihren Lebensstil missioniert hätten. Diese Leute haben gar keine Ahnung, wie jemand tickt, der sich dieser Lebensweise angeschlossen hat. Es ist kein Trend, sondern eine Lebenseinstellung. Wer auf das Wesentliche schaut, spürt, dass Vegetarier und Veganer viel sensibler in jeder Art und Weise und um unsere Welt besorgt sind. Es gilt nicht Tierliebe gegen Menschenliebe zu stellen, sondern beides gleich zu sehen. Wir haben nur diese eine Welt, gehen aber damit um, als gebe es noch viele davon. Wieso begreift die Mehrheit der Bevölkerung nicht, dass wir uns unser eigenes Grab schaufeln? Was muss denn noch passieren? Die Flüchtlinge sind doch eine direkte Folge unserer fehlgeleiteten Politik und Geldwirtschaft. Damit mußte doch gerechnet werden. Warum sollte es nur den nördlichen Ländern so gut gehen (aufgrund von Ausbeutung des Südens)? Da ist es doch verständlich, dass diese Menschen, die in ihrem Land keine Perspektive sehen, zu uns kommen.
    Ich bin nicht für den unbegrenzten Zuzug, aber worüber wundern wir uns?

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    1. Christel

      Ja so denke ich auch. Möchte mich auch sehr gerne wehren, weiß nur nicht recht wie. Wahrscheinlich müßte man sich organisieren, alleine geht es wohl nicht.
      Es ärgert mich maßlos, dass so wenige Menschen bereit sind ihr „Hirn“ einzuschalten! Wir können so einfach nicht mehr weitermachen. Fast würde ich sagen: Tiere sind ja auch nur Menschen.

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  10. Margareth

    Ist bei meinem Kommentar was schief gegangen? Egal, ich wollte mich sehr für Ihren Einsatz und den guten Leserbrief bedanken! Wir müssen den Tieren unsere Stimme geben, da ihre ja meist nicht hehört werden will. Ich finde, dass sich Tierschutz und Hilfe für Not leidende Mitmenschen nicht ausschliesst. Beides ist bitter notwendig. Dennoch: Tiere sind meist noch viel wehrloser. Unser Einsatz darf nie nachlassen…

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    1. Valerie

      Das sehe ich auch so. Deshalb haben wir auch nicht das Recht, die Tiere minderwertiger als die Menschen einzustufen. Eigentlich müssten wir uns vor ihnen verbeugen, denn kein Tier ist so grausam wie der Mensch.

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  11. I. Bröker

    Frau Raether hat offensichtlich noch nie etwas davon gehört, dass Tierschutz = Menschenschutz ist ! Angesichts dessen, was sie da geschrieben hat, kann ich nur allen Kommentatoren gratulieren, dass sie so sachlich geblieben sind.

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  12. Sonja

    Vielen Dank für diesen tollen Leserbrief. Ich frage mich, worum fürchtet diese Autorin hier? Ist denn Achtung, Respekt und Liebe ein begrenztes Gut, was sich Menschen gut einteilen müssen? Welch sonderbare Auffassung. Das von der Autorin geforderte tunnelartige Fokussieren auf nur eine Wichtigkeit durch Schaffung (möglichst ihrer eigenen) ethischen Prioritätenliste, trägt weder zur Erkenntnis großer Sinnzusammenhänge, noch zur Schulung wahrer allumfassender Empathie bei. Doch genau diese wäre doch so wichtig für die Menschheit: Alles Leben zu achten und alles Leid zu verhindern-ohne angeordnete Einschränkungen.

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  13. Ingrid Fröhlich-Groddeck

    Herzlichen Dank für diesen hervorragenden Leserbrief.
    Eine Einteilung des Lebendigen in lebenswert und weniger lebenswert ist zutiefst inhuman.
    Frau Elisabeth Raethers möchte das Leid der Flüchtlinge lindern. Das ist selbstverständlich gut und richtig. Weshalb aber, soll Tieren Leid geschehen, um Menschenleid zu mildern?
    Nach meiner Wahrnehmung kehrt sich diese Denkweise ständig gegen uns Menschen. Mit einem Beispiel will ich meine Beobachtungen erläutern: Am 13. November sind in Paris 130 Menschen ermordet worden. Die Attentäter waren Franzosen und Belgier mit Migrationshintergrund, wie man lesen kann. Dieses Attentat wird als Rechtfertigung benutzt, um Syrien zu bombardieren – ohne UNO-Mandat. Das ist doch genau diese Unterteilung von höherrangigem Leben und in niederrangiges Leben – die Einteilung in Herrenmenschen und Untermenschen. Der Bumerang ist also bereits zurückgekehrt und in unserer „Wertegemeinschaft“ gibt es dagegen kaum Widerstände..
    Ich befürchte, wir verlieren unsere Menschlichkeit, wenn wir uns nicht aus überholten Denkmustern befreien. Wir brauchen dringend eine Kultur, die geprägt ist vom Respekt vor allem Leben. Ich glaube, wir haben unser einzigartiges Gehirn von der Evolution geschenkt bekommen, damit wir – ausgestattet mit Bewusstsein und Mitleidsfähigkeit – mitwirken an einer friedlichen Welt für alle Geschöpfe dieser Erde.

    Alle Wesen mögen glücklich sein
    (Indianischer Segensspruch)

    , l

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  14. S. Kunz

    Ich hoffe, Sie werden uns auf dem Laufenden halten, was die Veröffentlichung Ihres Leserbriefs betrifft. Falls er nicht veröffentlicht werden sollte (oder ein ähnlicher Leserbrief zum Thema) sollte man der ZEIT auf die Füße treten (z.B. per Petition).

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  15. Heiko Schildt

    Ich erlaube mir, noch ein Zitat zu meinem Kommentar hinzuzufügen, denn die Realität gibt uns allen hier leider recht: Wenn wir lernen würden, Tiere zu respektieren und zu achten, wäre das automatisch ein riesiger Schritt zu einer menschlicheren Welt. Aus dem (unschönen) Wiki-Artikel „Tierversuche in der Rüstung“:

    2009 berichtete Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center über Interviews, die er 2003 in Seoul mit nordkoreanischen Flüchtlingen über Experimente geführt hatte, die an politischen Häftlingen zur Verbesserung nordkoreanischer Massenvernichtungswaffen vorgenommen worden sind. Dabei schilderte ihm ein Wissenschaftler detailliert, wie seine Forschergruppe verschiedene Tierversuche mit Giftgas durchgeführt hatte und die Resultate an eine zweite Gruppe übergab, „die dann das Gleiche mit Menschen machte“.

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  16. Michael

    Ich selbst habe mir das erste mal (!) die Printausgabe der „Zeit“ gekauft, denn der Titel bzw. das Aufmachungsthema interessierte mich sehr und war am Kiosk sehr präsent. Den Artikel von Elisabeth Raether las ich ebenfalls mit großem Interesse, und es beschlich mich wieder einmal eine große Wut – wie immer, wenn es darum geht, dass der Mensch das allerheiligste und schützenswerteste Wesen auf diesem Planeten ist und alle anderen Lebewesen sich dem Willen der menschlichen Spezies gefälligst zu unterwerfen haben. Ich kann zu diesem Thema leider nicht so sachlich argumentieren wie du Konstantinos, weil es mich emotional stetig „runterzieht“. Als ich deine Antwort, welche du der „Zeit“ gesendet hast las, war ich sehr beeindruckt. Denn, obwohl mir deine angeführten Argumente längst bekannt und verinnerlicht sind, wäre ich (in meiner Wut) nicht darauf gekommen, die Zusammenhänge so gut darzustellen und zu formulieren. Dafür einfach mal: ein großes Lob und Dankeschön! Es wäre zu schön, wenn du diesbezüglich noch eine Antwort bekommen würdest.

    Zitat: [Die „Verwöhntheit“ hätte, der Autorin zufolge, jedoch nun ein Ende: Mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge in unserem Land entstünde die Notwendigkeit, sich nicht mehr vornehmlich über „das Leid, das Hühnerküken angetan wird“, zu empören. Stattdessen gälte es in erster Linie, sich eingehend mit den flüchtenden Menschen und ihren Schicksalen zu beschäftigen und dabei einen „politischen Willen“ zu aktivieren, der „in die Gestaltung des Miteinanders fließen“ solle.]
    Seit dem ich mich vor einiger Zeit – angestoßen durch die ASS – entschlossen habe mich fleischlos zu ernähren, habe ich mich mit dem Thema Tierrechte und Tierschutz näher auseinander gesetzt. Seit dieser Zeit – und nur aus diesem Grund – wurde mein „politischer Wille“ aktiviert. Es ist also nicht dem Wohlstand und der Verwöhntheit zu verdanken sondern der zunehmenden Aufklärung über die Mißstände im Umgang mit unserer Mitwelt und der damit verbundenen Zerstörung unserer Umwelt.

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    1. Konstantinos Tsilimekis Autor

      Lieber Michael, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar! Schön zu lesen, dass dein politischer Wille für so wichtige Themen aktiviert wurde. Je mehr Menschen mit ähnlicher Einstellung wir werden und je stärker wir zusammenarbeiten, desto mehr werden wir letztlich bewegen können!

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